Die Liebesblogger

Seit mein Mann pensioniert ist ist er schrecklich unausgeglichen

Mein Mann ist seit einem dreiviertel Jahr pensioniert, seither ist er schrecklich unausgeglichen. Oft werkelt er am Haus rum. Und er will immerzu etwas mit mir unternehmen. Ich gehe aber noch arbeiten, 10 Stunden in der Woche und die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Ihm fällt die Decke auf den Kopf und ich kann nicht einmal mehr Freundinnen treffen, ohne dass er meckert.

 

Ihr Mann ist gleich mehreren Lebensmythen auf den Leim gegangen, die in unserer Gesellschaft gang und gebe sind. Der erste lautet: Keiner Arbeit nachzugehen macht Menschen glücklich und zufrieden.

Wer hat sich diesen Blödsinn nur ausgedacht? Jede Arbeit, auch eine ehrenamtliche, erhöht die Lebenszufriedenheit eines Menschen im Alter. Es macht ihn außerdem körperlich gesünder und hält ihn geistig fit. Das Arbeiten im Alter verlängert schließlich – nachweislich – auch noch das menschliche Leben. Wir reden hier natürlich nicht über stressige 60-Stunden-Wochen in einem ungeliebten Job, sondern über eine dem Alter angemessene Stundenzahl.

Zum Zweiten sind es Paare heute in der Regel nicht gewohnt, den ganzen Tag zusammen zu verbringen. Zum einen sind sie früher ja arbeiten gegangen – danach blieben noch ein paar Stunden miteinander. Zum anderen waren sie ja auch dann oft nicht zu zweit, sondern haben sich um die Kinder gekümmert. Alle Zeit des Tages zu zweit zu verbringen – für viele Paare ist das ein Härtetest. Nicht empfehlenswert.

 

Schon alleine das Fehlen von Kollegen macht Männer in der Regel unglücklich

 

Am eigenen Haus zu werkeln und ab und an einen Ausflug zu machen, das ist keine hinreichende Lebensperspektive für einen kräftigen Mittsechziger, der es gewohnt war, Tag für Tag einer Arbeit nachzugehen und der auf diese Weise auch viele soziale Kontakte hatte. Das ist Punkt drei auf meiner Liste. Schon alleine das Fehlen von Kollegen macht Männer in der Regel unglücklich und unzufrieden. Und das auch dann, wenn sie es nicht zugeben.

Zudem bringt das Werkeln am eigenen Haus auch wenig Anerkennung. Womit wir beim vierten Punkt wären, der die Verrentung heute für viele Menschen zu einem „schwierigen Lebensereignis“ macht, wie die Psychologie es nennt, und ihre Ehe oft einer rauen See aussetzt. Auch die Anerkennung, die eine Arbeit einbringt, fehlt vielen Männern nach der Verrentung, waren sie es doch gewohnt, einen großen Teil ihres Selbstwertgefühls aus ihrer Arbeit zu beziehen.

Sie sehen, Ihr Mann braucht eine Aufgabe. Er kann sich ein Ehrenamt suchen oder meinetwegen an Häusern anderer Menschen herumwerkeln. Solche Hilfe wird gerne genommen. Es ist einerlei was er macht und auch einerlei ob es bezahlte Arbeit ist – Hauptsache es bringt ihn außer Haus und mit anderen Menschen zusammen, verschafft ihm eine Aufgabe und zusätzlich auch Anerkennung. Dann hat Ihre Ehe eine Chance auf ruhigeres Fahrwasser.

 

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1 Kommentar

  1. Robin

    Ich führe mit meinem Partner eine gleichgeschlechtliche Fernbeziehung. Wir haben einen großen Altersunterschied, welcher sich auf viele Bereiche in der Beziehung auswirkt. Wenn ich längere Zeit bei meinem Partner bin, bekomme ich Dinge mit, die ich sonst aus der Ferne nicht direkt wahr nehme.
    Mein Partner hat ein starkes Bedürfnis, seine Me-Time nur für sich zu nehmen. Bis dahin auch verständlich. Leider kann ich mit meinem Partner dadurch sehr oft keinen gemeinsamen Abend zusammen genießen. Sprich er muss wirklich jeden Tag nach der Arbeit (die nicht immer anstrengend ist) erstmal aufs Sofa und Nachrichten auf dem Fernseher schauen. Danach geht er seine Sachen tun die noch so anstehen. Bis er dann mal Zeit hat, ist es immer spät Abends. Und das auch am Wochenende.
    Auf meine Wünsche an ihn, doch mal das Fernsehen für ein zwei Tage ruhen lassen zu können und beispielsweise zusammen ein Bad nehmen; früher schlafen zu gehen oder ein Gläschen Wein mit Käse genießen – geht er nicht ein. Er ist interpretiert es auch noch so, als würde ich ihm das Fernsehen dauerhaft verbieten und er nicht selbst sein kann. Er wirft mir vor ich würde an im ziehen.
    Muss ich das hinnehmen, ständig an letzter Stelle zu stehen, nachdem er all seine Gewohnheiten durchzogen hat?
    Es frustriert und es ist noch schlimmer, wenn in einer Fernbeziehung, bei der man eigentlich doch die Zweisamkeit mehr genüsslich genießen sollte, gleich doppelt und dreifach mit so eine Tour abgewertet wird.

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