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Hüten Sie sich vor der Schuldfrage

Vor knapp zwei Jahren verließ unsere Schwiegertochter ihre Familie. Sie möchte sich aber nicht scheiden lassen und wünscht ein „Offene Beziehung“, woran aber unser Sohn nicht interessiert ist. Sie hat sich dieses Jahr, wie schon im Vorjahr, wieder zu unserer Familienfeier zu Weihnachten angekündigt. Sie kam da zum traditionellen Mittagessen und war auch bei der  „Bescherung“ dabei, nahm ihr Geschenk entgegen und verschwand danach sofort. Damit war auch unserer Familie das Fest verdorben.

Wir vermuten, dass sich das in diesem Jahr so wiederholt. Uns widerstrebt es, diese Person zu beschenken. Wir möchten aber auch keinen Streit. Wie sollten wir uns zu Weihnachten ihr gegenüber verhalten?

 

Ihre Zuschrift hat bei mir zu einer Fülle von Fragen geführt.  Zum einen habe ich mich gefragt, wieso sie Ihre Schweigertochter als „diese Person“ bezeichnen. Das ist mehr als nur herablassend. Wenn Sie so über Ihre Schweigertochter denken, dann wundert es mich nicht, warum sie nach der Bescherung schnellstmöglich das Haus verlässt. Mir persönlich scheint das auch angemessen zu sein. Die Ehe Ihres Sohnes besteht nicht mehr bzw. sie besteht nur noch der Form nach. Die Beziehung aber ist gescheitert. Das müssen Sie als Eltern akzeptieren.

Ich kann Ihnen nur raten, sich vor allem vor der Schuldfrage zu hüten. Bei Trennungen wird noch immer besonders gerne das Schuldspiel gespielt. Schuld ist natürlich immer der andere. Das klingt auch aus Ihren Zeilen heraus. Ihre Schwiegertochter hat – in Ihren Augen – die Familie verlassen. Schon das alleine weist ihr die Schuld zu. Ihre Schwiegertochter wird das sicherlich ganz anders sehen. Niemand geht mal eben so freiwillig und verlässt eine Ehe. Er geht, weil er nicht mehr weiter weiß und mit seinen Wünschen und Bedürfnissen beim Partner nur wenig Verständnis findet.

 

Wer ist an der Situation Schuld?

 

Das ist ohnehin nicht meine Art als Berater, über Trennungen nachzudenken. Nach dem Scheitern einer Beziehung geht es nicht um Schuld. Das ist ein altertümlicher Begriff. Nach dem Ende einer Partnerschaft geht es vielmehr darum, Verantwortung zu übernehmen – Verantwortung für die eigenen Fehler. Das ist die Aufgabe ihres Sohnes. Welche Fehler hat er gemacht – und wie kann er das in einer neuen Beziehung besser hinbekommen? Und es ist auch die Aufgabe Ihrer Schwiegertochter. Welche Fehler hat sie gemacht – und wie kann sie das in der nächsten Partnerschaft besser machen? Aber es ist nicht Ihre Aufgabe zu entscheiden, wer die Verantwortung für das Ende trägt. Üblicherweise stellen sich alle Eltern bei dieser Frage auf Seiten ihrer Kinder. Wem aber soll das helfen?

Als Berater sehe ich es wieder und wieder: Am Ende einer Ehe stricken zwei Menschen. Ihr Sohn hat Fehler gemacht. Ihre Schweigertochter auch. Punkt. Sie sollten das nur zur Kenntnis nehmen und niemals kommentieren. Und schon gar nicht sollten Sie die Schuldfrage stellen, denn damit vertiefen Sie das Zerwürfnis der beiden, was keinem hilft, schon gar nicht, wenn, wie ich vermute, die beiden gemeinsame Kinder haben. Eine Ehe lässt sich auflösen. Eltern aber bleibt ein Paar auch nach einer Trennung ein Leben lang.

Als Gastgeber zu Weihnachten sind Sie allerdings berechtigt, Ihre Schwiegertochter zu bitten, nicht zu kommen. Überlegen Sie sich diesen Schritt gut. Wenn Sie das tun, dann sollten Sie es mit äußerster Höflichkeit formulieren. Und Sie sollten es natürlich auch mit Ihrem Sohn vorher besprechen.

 

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1 Kommentar

  1. Ähnlich herablassend verhält sich auch meine Schwiegermutter mir gegenüber. Besonders zu Weihnachten wird es deutlich – dann schenkt sie mir Dinge mit Botschaften dahinter. Ein Bleistiftanspitzer in Form eines Pinocchio (ich hatte sie bei einer Lüge ertappt, um es zu vertuschen hat sie ihren Sohn gebeten dicht zu halten), ein Frosch mit der Aufschrift „ man muss viele Frösche küssen bis man den Richtigen findet“(ihr Sohn war mein erster Freund) oder ein Bilderrahmen mit einem ausgeschnittenen Spruch: „wenn eine Frau wütend ist, nimm sie in den Arm. Wenn das nicht hilft, wirf ihr Schokolade zu“ (erinnert etwas an einen Hund, den man einen Knochen zuwirft).
    Dann muss man Grenzen setzen und formulieren, was man wünscht. Ein Geschenk ist etwas, worüber sich der Beschenkte freuen soll. Ihre Absicht ist ganz klar: das Geschenk soll mich ärgern. Aus diesem Grund habe ich gesagt, dass ich keine Geschenke mehr von ihr wünsche. Wenn ich auf diese Weise behandelt werde, dann möchte ich auch Weihnachten nicht mit ihnen verbringen.
    Es klingt so als sei ihre Schwiegertochter nur gierig nach ihrem Geschenk gewesen. Ich glaube nicht, dass ihr das Geschenk so wichtig ist wie sie es darstellen. Wenn man jemanden nicht mag, dann drückt es sich auch im Geschenk aus. Es ist keine Pflicht jemanden an Weihnachten etwas zu schenken oder einzuladen. Besser man bekommt nichts und wird nicht eingeladen als die Feindseligkeit auszupacken oder unterm Tannenbaum in jeder Minute zu spüren zu bekommen. Indirekt ausgetragener Streit ist auch Streit.
    Sie war vermutlich nicht eingeladen, aber dann müssen Sie ihr das auch sagen. Wenn sie von sich aus nicht gekommen wäre, dann hätten Sie vermutlich auch daraus einen Vorwurf formuliert. Es ist gleichgültig, was man macht. Es ist immer falsch.

    Das mit der offenen Beziehung hätte ihr Sohn ihnen gegenüber nicht erzählen sollen. Vielleicht hat ihre Schwiegertochter es Ihrem Sohn im Vertrauen gesagt und er sollte es nicht einfach ausplaudern? Das ist ein Nährboden für allerlei Tratsch, um seine noch Ehefrau zu verurteilen und um sich Ihren ewigen Zuspruch zu sichern. Er hätte sich besser nur einem Freund anvertrauen sollen, wenn es ihm um eine halbwegs objektive Beurteilung gegangen wäre. Vielleicht lassen sich die beiden letztendlich nicht scheiden und überwinden das Problem mithilfe einer Paarberatung. Was bleibt ist der Tratsch. Das ist ein bequemer Weg für ihren Sohn, denn dann muss er seine Fehler nicht eingestehen. Das ist kein Verhalten eines erwachsenen Mannes, der wie Herr Thiel schreibt, Verantwortung für seine Fehler übernehmen muss.

    In Ihrer Familie scheint es ein Muster zu geben. So wie Sie sich an Herr Thiel wenden und alles für Sie Frevelhafte ihrer Schwiegertochter herauskehren, um vermutlich von ihm recht zu bekommen wie schlecht sie ist. In derselben Weise verhält sich ihr Sohn Ihnen gegenüber. Er erzählt seiner Mutter nur das, was ihn im guten Licht dastehen lässt und ihren Zuspruch und Loyalität zu erhalten.

    Ich bin gegen offene Beziehungen, weil mir das Modell persönlich nicht zusagt und es meiner Meinung nach auch nicht zu einer funktionierenden Beziehung führt. Trotzdem finde ich es mutig, dass ihre Schwiegertochter wenigstens ausspricht, was sie sich wünscht. Mag sein, dass sie sich in jemand anders verliebt hat und/ oder sich von ihrem Partner vernachlässigt gefühlt hat (ich gehe davon aus, dass sie ihre Wünsche bisher nicht ausgelebt hat, auch wenn sie getrennt leben). Den Wusch nach einem offenen Beziehungsmodell hat sie ja wohl nicht vor der Heirat gehabt, sondern es gab/ gibt einen Anlass. Was vielleicht hinter diesem Bedürfnis steckt, dass muss sie noch herausfinden, gemeinsam mit ihrem Partner besprechen und es muss dringend eine Entscheidung getroffen werden. Zusammen bleiben oder sich trennen, damit sich die Verhältnisse klären. Wenn sie die offene Beziehung jedoch lebt und ihr Partner aber nicht einverstanden ist, dann muss ER die Scheidung einfordern. Er muss sich der Konsequenzen, aber auch neuen Chancen bewusst werden und handeln.

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