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Affären sind Affären

Ich hab da mal eine Frage: Seit einem halben Jahr bin ich (43) auf Arbeit auf einer neuen Stelle und seit einigen Wochen habe ich dort eine Affäre. Sie hat zwei Kinder (11 und 13), Hund und Haus. Die Konstellation könnte nicht schwieriger sein. Immerhin hat Sie es Ihrem Mann schon gebeichtet. Dieser will natürlich nicht kampflos aufgeben. Mittlerweile ist es aber so, dass es nicht nur eine Bettgeschichte ist, sondern wahre Gefühle und Liebe im Spiel ist. Die Angst, Sie könnte sich doch für Ihre Familie und Mann entscheiden nagt an meiner Seele.

 

Ihre Aussichten, dass Ihre Geliebte Ihre Partnerin wird, sind in meinen Augen sehr, sehr gering. Aus Affären wie der Ihren wird in der Realität nur in absoluten Ausnahmefällen eine Partnerschaft. Wie selten? Die Zahl lautet: 3 Prozent. Im Gegensatz zu Ihnen ist das Ihrer Geliebten auch klar. Sie hat einen Mann, ein Haus und zwei Kinder. Dass sie das aufgibt ist nicht sehr wahrscheinlich.

Am besten fährt sie, wenn sie zusätzlich zu dem Mann und dem Haus und den Kinder noch einen Geliebten hat. Warum sollten sie daran etwas ändern wollen? Dann verliert sie das Haus, den Mann und wenn es schlimm kommt auch noch die Kinder. Ich kann Ihnen nur sagen: Das wird sie aller Voraussicht nach nicht tun.

Natürlich sind bei einer Affäre Gefühle mit im Spiel. Das ist beinahe immer der Fall. Menschen die Sex miteinander haben neigen dazu, Gefühle füreinander zu entwickeln. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir meistens ohnehin nur mit Menschen ins Bett gehen, die uns sehr sympathisch sind und mit denen uns das Gefühl einer hohen erotischen Anziehung verbindet. Gefühle sind also von Anfang an mit dabei.

Kommen wir zu Ihnen. Warum setzt sich ein 43-Jähriger Mann in den Kopf, unbedingt eine Frau die bereits vergeben ist für sich zu gewinnen? Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten, als die, wie Ihre Aussichten bei dieser Frau sind. Die einfachste Antwort geht so: Wer sich auf der Arbeit verliebt, der verliebt sich in die Frau, die „zur Hand“ ist. Dort hat er tätlich Umgang mit ihr. Das schafft eine Vertrautheit. Diesem Mann fehlt aber ganz offensichtlich der Mut, sich da draußen nach einer Single-Frau umzuschauen. Schade auch.

Das ist nur eine Erklärung. Die andere lautet: Er hat zu viele Liebesfilme geschaut oder irgendwelche Folgen einer deutschen Vorabendserie. Dort wird aus dem Geliebten ganz selbstverständlich der neue Partner und die Kinder mögen ihn genauso gerne wie der Hund! Der alte Partner hingegen tröstet sich schnell mit einer Neuen – und alle sind glücklich. So sieht die Welt der Untreue aus der Perspektive der Abendunterhaltung am Fernseher aus. Die Realität ist anders.

Ich bin Realist. Die Kinder dieser Frau kommen gerade in die Pubertät. Dass sie einen Mann akzeptieren, der – in ihren Augen – die Ehe ihrer Eltern zerstört hat, das ist jedenfalls sehr unwahrscheinlich.

Ich rate Ihnen zu Folgendem: Ziehen Sie sich zurück. Bei Dreiecksgeschichten geht es am Ende nicht dem Mann schlecht, der seine Frau am Ende wieder für sich gewinnen konnte. Es geht auch nicht der Frau schlecht, die sich wieder für ihren Mann entschieden hat. Nein, den größten Schaden nimmt in der Regel der oder die außerstehende Dritte. Die menage a trois schadet ihm (oder ihr) oft am allermeisten – weil er (oder sie) am Ende mit leeren Händen dasteht. Und das tut weh. Deshalb mein Rat: Ziehen Sie sich zurück. So schnell wie es Ihnen möglich ist. Sie befinden sich nicht in einer ganz wunderbaren Liebesgeschichte, sondern in einer ganz normalen Affäre. Für Affären aber gilt die Regel: Affären sind Affären – und mehr nicht.

Tragen Sie bitte den Fernseher in den Keller. Kaufen Sie sich sodann ein paar gute Bücher über die Liebe. Darin lernen sie, wie die Liebe wirklich ist. Und dann suchen Sie so bald wie möglich nach einer Frau die auch zu haben ist.

 


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2 Kommentare

  1. Sehr interessant! Aber ob Liebe überhaupt ein Gefühl ist? Colin Bear – und davor schon Erich Fromm meinen ja: es ist eher eine Handlung, eine Aktivität … Ob Du mal über diesen Ansatz einen Artikel schreibst?

    Hugs, Annette

    • Christian Thiel

      4. Oktober 2018 at 20:16

      Liebe gehört ganz ohne Zweifel zu den menschlichen Emotionen. Allerdings bleiben Emotionen nicht von sich aus stabil – sie brauchen die tägliche Bestätigung durch den anderen. So gesehen ist eine Liebe ohne liebevolle Handlungen hohl und leer. Da kann ich Erich Fromm verstehen. Unsere Kultur betont zu sehr, dass Gefühle aus sich heraus Bestand haben. Man muss die „Große Liebe“ nur einmal finden, dann braucht man sich nicht mehr anstrengen. Das ist auch in meinen Augen sehr zweifelhaft.
      Das schreibe ich allerdings stets und ständig und ich sehe nicht, dass es dazu noch einen eigenständigen Text braucht. Am deutlichsten habe ich das in dem roten Buch über die Liebesmythen und -irrtümer ausgeführt (Warum Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben).

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