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Kategorie: Streit

Streit ist auch keine Lösung

Ich hab’ da mal eine Frage: Freunde von mir streiten sich oft lautstark, mit Vorwürfen und Türenknallen. Bei uns ist das ganz anders. Deshalb meine Frage: Wie schädlich ist es denn für eine Partnerschaft nicht zu streiten beziehungsweise zu wenig zu streiten und um des lieben Friedens Willen seinen Unmut und Zorn runter zu schlucken oder anderweitig abzureagieren?

Marita (37), Osnabrück

 

Die Forschung hat in der Frage des Partnerschaftsstreits in den letzten Jahren Klarheit gebracht. Wenn Sie zornig auf Ihren Partner sind, dann ist es ungesund, wenn Sie diesen Zorn ignorieren. Die Wut weist darauf hin, dass es ein Problem gibt, für das Sie eine Lösung brauchen.

Es ist also ungesund, einfach wegzusehen. Deshalb müssen Sie Ihren Partner aber noch lange nicht mit Ihrer Wut oder Zorn angreifen. Sie können diese Affekte stattdessen mit Freundinnen teilen. Erzählen Sie denen, was sie aufgeregt hat. Das entlastet. Oder Sie können einfach warten, bis die Wut von sich aus abgeklungen ist. Das dauert oft nur 20 bis 30 Minuten und gelingt besonders gut, wenn sie sich bewegen. Das baut Aggressionen ab. Deshalb ist ein Spaziergang um den Block so positiv für eine Beziehung.

Wenn Sie dann zurückkommen, können Sie Ihrem Partner von Ihrem Zorn berichten. Sie sagen ihm zum Beispiel: „Es macht mich wütend, wenn du mir nicht zuhörst, sondern stattdessen immer wieder auf dein Smartphone schaust. Ich bin wichtiger als dein Handy!“

Die Wut verrauchen lassen, dem Partner von der Wut erzählen und deutlich sagen, was Sie von ihm wollen – diese drei Vorgehensweisen sind nach Lage der Dinge die gesündesten. Und damit bin ich bei der unguten Alternative – dem lautstarken Streit.

Wut schadet – wenn sie ausgelebt wird

 

Mit wütenden Angriffen auf den Partner ist es genauso, wie mit dem gar nichts sagen: Es ist ungesund und uneffektiv. Wütende Angriffe auf den Partner sind eine Gewohnheit, die auf lange Sicht die eigene Gesundheit untergräbt. Denn bei Wut werden sehr viele Stresshormone ausgeschüttet. Nicht gut.

Zudem gilt: Wer wütend auf den Partner zugeht, erreicht sein Ziel schlechter. Wer wütend auf den Partner zugeht, erreicht, dass der sich zurückzieht. Und sich ungeliebt fühlt. Oder gar seinerseits wütend reagiert. Was zu noch mehr Wut führt und damit zu noch mehr Stresshormonen.

Dann haben Sie einen handfesten Ehestreit und brauchen Tage oder Wochen um wieder normal miteinander reden zu können.

Einen Vorteil hat der Streit aber immerhin: Im Streit trauen sich viele Menschen, endlich zu sagen, was sie denken und fühlen. Sie stehen zu sich und Ihren Wünschen. Sie haben ja an meinem Beispiel gesehen, dass das der Kern ist, um den es geht. Wenn Ihr Mann bei Gesprächen mit Ihnen auf sein Smartphone schaut, dann fühlt sich das nicht gut an. Klar.

Das geht ja nicht nur Ihnen so. Die meisten Menschen stört es, wenn der Partner oder die Partnerin sich im Gespräch lieber mit etwas anderem beschäftigt: Der SMS der Freundin, der Mail von einem Geschäftspartner, den neuesten Nachrichten. Das ist eine Form der Missachtung. Und es gefährdet eine Partnerschaft.

Und das soll er unbedingt wissen. Sie haben keine Chance, das zu bekommen, was Sie wollen, wenn Sie es ihm nicht klar und deutlich sagen. Aber dafür brauchen Sie ihn nicht anzugreifen.

So ein Angriff erfolgt in der Regel verbal. Wir verletzten mit Worten. Der Partner wird also beleidigt, beschimpft, sein Verhalten wird grundsätzlich kritisiert – „immer nimmst du mich nicht ernst“. Doch bei Auseinandersetzungen in diesem Stil gerät das eigentliche Ziel aus dem Blick. Der Partner reagiert auf den Angriff – er schießt zurück. Das Ziel war, dass er sich zuwendet. Das passiert natürlich nicht – nicht wenn er angegriffen wird.

Ich empfehle deshalb bei Auseinandersetzungen, es mit klaren Ansagen zu versuchen. Sie sagen Ihrem Partner also, was Sie wollen und warum Sie es wollen. Auf diese Weise kommen Sie am schnellsten zum Ziel. Und mit dem geringsten Stress.

 

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