Seit mein Partner in Rente ist trinkt er jeden Tag. Schon vorher hat er gerne mal zu viel getrunken – jetzt aber ist es unerträglich. Oft beschimpft er mich und im Haushalt macht er schlicht nichts. Ich gehe arbeiten und wenn ich nach Hause komme mache ich den Haushalt und den Garten. Manchmal denke ich, ich sollte gehen, aber dann verliere ich das Haus. Er wird es verkommen lassen.

 

Ich muss zugeben, ich mache mir Sorgen. Ja, auch um Ihren Mann, doch mehr noch um Sie. Wenn ein Partner trinkt, dann leidet die Zufriedenheit in der Ehe. Alkoholismus ist eine schwere Erkrankung, die Betreffenden sind selten einsichtig, vernachlässigen sie oft sich und ihr Umfeld und neigen je mehr sie trinken auch zu immer stärkeren Verletzungen von Bezugspersonen. Und das sind in diesem Fall Sie. Das können verbale Verletzungen sein, aber auch körperliche Gewalt. Zudem.

Es kommt ein Zweites hinzu: Alkoholiker sterben mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit an den Folgen der Alkoholsucht, auch wenn sie die Gefahr nicht sehen wollen. Jetzt kommt noch ein Drittens! Das alles löst sehr viel Stress aus. Und der ist ungesund. Aus diesem Grund ist die Sterblichkeit von Angehörigen von Alkoholikern ebenfalls sehr hoch. Und deshalb mache ich mir Sorgen. Um Sie.

Ich kann Ihnen nur ganz dringend zu einer Beratung in einer auf Alkoholmissbrauch spezialisierten Beratungsstelle raten. Sie brauchen Experten, um mit Ihrer Lage besser zurecht zu kommen. Beratungsstellen arbeiten ja nicht nur mit und für diejenigen, die alkoholabhängig sind, sondern auch mit und für Angehörige. Sie können und müssen mit den Schwierigkeiten nicht alleine zurecht kommen.

 

 

Entzug – oder Auszug

 

Dass Ihr Mann nach der Verrentung jeden Halt verloren hat wundert mich nicht. Die Verrentung ist heute für Männer einer der schwierigsten Einschnitte überhaupt. Sie haben danach oft keine Aufgabe mehr, keine Erfolge, keine Anerkennung und keine Kollegen. Die Arbeitskollegen mit denen sie ab und an mal einen getrunken haben werden nach der Verrentung (oder bei Arbeitslosigkeit) oft durch Trinkkumpane ersetzt – und das Drama nimmt seinen Lauf. Immerhin sind sie auf diese Weise nicht mehr so alleine. Und haben Menschen, die sie verstehen. Ganz anders als die Ehefrau. Die meckert in ihren Augen ohnehin nur.

Sie haben es in der Vergangenheit möglicherweise auch mit Ermahnungen und mit Kritik versucht. Das führt, Sie wissen es mittlerweile vermutlich, zu nichts. Die Stimmung wird noch schlechter. Ich vermute, dass Sie sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass es wohl nur zwei gute Lösungen gibt: Entweder Ihr Mann macht einen Entzug. Oder Sie planen den Auszug. Einen Entzug wird er vermutlich nur machen, wenn er weiß, dass Sie bereit sind ihn zu verlassen.

Es hilft weder zu diskutieren wenn Ihr Mann gerade wenig getrunken hat, noch hilft es zu schweigen, wenn er wieder viel getrunken hat. Ihnen helfen nur klare Ansagen. Was passiert wenn er weiter trinkt. Diese Ansagen müssen Sie machen. Ihr Mann hat die Achtung vor Ihnen schon verloren – sonst würde er Sie nicht so beschimpfen. Damit Sie nicht auch die Achtung vor sich verlieren, sollten Sie sich Hilfe holen. Dringend. Es geht – um Sie.

 

Um keinen Beitrag mehr zu verpassen, bestellen Sie doch einfach den Newsletter! So werden Sie jedes Mal informiert, wenn ein neuer Beitrag erscheint!