Die Liebesblogger

Muss man mit den Türen knallen?

Freunde von mir streiten sich oft lautstark, mit Vorwürfen und Türenknallen. Bei uns ist das ganz anders. Deshalb meine Frage: Wie schädlich ist es denn für eine Partnerschaft nicht zu streiten beziehungsweise zu wenig zu streiten und um des lieben Friedens Willen seinen Unmut und Zorn runter zu schlucken oder anderweitig abzureagieren?

 

Die Forschung hat bei dieser spannenden Frage in den letzten Jahren Klarheit gebracht. Wenn Sie zornig auf Ihren Partner sind, dann ist es ungesund, diesen Zorn zu ignorieren. Die Wut weist darauf hin, dass es ein Problem gibt, für das sie eine Lösung brauchen. So einfach ist es.

Es ist also ungesund, einfach wegzusehen. Deshalb müssen Sie Ihren Partner aber noch lange nicht mit Ihrem Wut oder Zorn angreifen. Sie können diese Affekte zum Beispiel bei Freundinnen lassen. Erzählen Sie denen, was sie aufgeregt hat. Das entlastet. Oder Sie können einfach warten, bis die Wut von sich aus abgeklungen ist. Das dauert oft nur 20 bis 30 Minuten und gelingt besonders gut, wenn sie sich bewegen. Das baut Aggressionen ab. Deshalb ist ein Spaziergang um den Block so positiv für eine Beziehung.

Wenn Sie dann zurückkommen, dann können Sie Ihrem Partner von Ihrem Zorn berichten. Sie sagen ihm zum Beispiel: „Es macht mich wütend, wenn du mir nicht zuhörst, sondern stattdessen immer wieder in deine Zeitung schaust. Ich bin wichtiger als deine Zeitung!“

 

Wütende Angriffe auf den Partner sind ungesund und uneffektiv

 

Die Wut verrauchen lassen, dem Partner von der Wut erzählen und deutlich sagen, was Sie von ihm wollen – diese drei Vorgehensweisen sind nach Lage der Dinge die gesündesten. Und effektivsten. Wütende Angriffe auf den Partner dagegen sind ungesund und uneffektiv. Wer wütend auf den Partner zugeht, erreicht sein Ziel schlechter. Wer wütend auf den Partner zugeht, erreicht, dass der sich zurückzieht und sich ungeliebt fühlt. Oder der Partner reagiert seinerseits wütend. Dann haben Sie einen handfesten Ehestreit und brauchen Tage oder Wochen um wieder normal miteinander reden zu können.

Einen Vorteil hat der Streit aber immerhin: Im Streit trauen sich viele Menschen, ehrlich zu sagen, was sie denken und fühlen. Sie stehen zu sich und Ihren Wünschen. Sie haben keine Chance, das zu bekommen, was Sie wollen, wenn Sie es ihm nicht klar und deutlich sagen. An der Stelle sind Sie in Ihrer Partnerschaft möglicherweise im Nachteil. Paare die „nie streiten“ neigen dazu, viel zu wenig auf Wünsche und Bedürfnisse hinzuweisen – beide. Also bekommen sie wenig und auch das kann natürlich zu Problemen führen.

Das alles heißt nicht, dass Ihre Freunde mit den lauten Vorwürfen und dem Türenknallen in jedem Fall Probleme bekommen werden und dazu verurteilt sind, auseinander zu gehen. Partnerschaften sind glücklich und stabil, wenn auf einen Teil Kritik fünf Teile Anerkennung, Lob und Wertschätzung kommen. Ohne diese Zuwendung zum anderen hingegen wird eine Beziehung unglücklich. Oder instabil. Oder beides. Es hängt also nicht in erster Linie von der Streitkultur eines Paares ab, ob es zusammen bleibt. Es hängt vor allem davon ab, wie es sich zueinander verhält, wenn alles gut läuft.

 

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2 Kommentare

  1. Andreas

    „Sie können diese Affekte zum Beispiel bei Freundinnen lassen. Erzählen Sie denen, was sie aufgeregt hat.“

    Ist das so wirklich gemeint?

    Sollte meine Ehefrau Ihren Ratschlag befolgen, würde ich dieses Verhalten als massiven Vertrauensbruch ansehen.

    Private Belange aus der Beziehung sollten meiner Ansicht nach nicht in den Kreis der Freunde hineingetragen werden. Es geht diese schlicht nichts an. Auch „beste“ Freunde nicht. Und man kann auch nicht sicher sein, dass es dort „unter dem Siegel der Verschwiegenheit“ bleibt. Wie kann man den Freunden anschließend noch unbefangen gegenüber treten? Auch besteht die Möglichkeit, dass sie Partei ergreifen und dadurch Freundschaften beschädigt oder gar zerstört werden.

    Insofern überrascht mich dieser Rat doch sehr.

    Grüße
    Andreas

    • Christian Thiel

      Der Partnerin zu verbieten, über das was in der Ehe passiert mit Freundinnen zu reden, ist in meinen Augen definitiv falsch. Ich wundere mich immer wieder, dass es so antiquierte Auffassungen von Partnerschaft noch gibt.
      Auf der anderen Seite haben Sie in einem Punkt eindeutig Recht: Man muss sehr gut aufpassen, wem man etwas erzählt. Es muss eine Freundin (ein Freund) sein, der beiden Partnern gegenüber absolut loyal ist. Und beiden gegenüber sehr positiv eingestellt ist. Sonst entstehen tatsächlich Probleme wie das von Ihnen erwähnte Partei ergreifen.

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