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Das Bedürfnis nach Harmonie

 

Ich habe da mal eine Frage: Früher bin ich keinem Konflikt aus dem Weg gegangen, aber jetzt, mit Mitte 40, vermeide ich Streitereien lieber  – im Job wie in der Beziehung. 

 

Ja, häufig werden wir mit zunehmenden Alter gelassener und können eine andere Sichtweise leichter stehen lassen. Nur weil der Partner unrecht hat, muss man nicht mit ihm darum kämpfen, dass er das auch einsieht.

Aber ein viel wichtigerer Grund ist meiner Erfahrung nach der, dass wir eine ziemlich realistische Einschätzung davon haben, ob es sich lohnt, etwas zu sagen, und ob sich der Konflikt gut klären lässt. Paare, die bereits länger zusammen sind, haben feststellen müssen, dass es eine ganze Menge unlösbare Problem gibt. Die Auseinandersetzung darum führt nur dazu, dass es beiden schlecht geht, oder dass man sauer aufeinander ist. Warum also wieder damit anfangen? Wenn ich weiß, dass meine Partnerin jedesmal empört und gekränkt reagiert, wenn ich in Frage stelle, ob sie wirklich so oft mit ihren Freundinnen ausgehen muss, höre ich irgendwann auf damit.

Ebenso im Job. Nach einiger Zeit haben Sie raus, welche Konflikte sich durch Ansprechen lösen lassen, und welche nicht. Warum drei Tage angespannte Stimmung im Büro ertragen, wenn es sowieso nichts bringt?

In beiden Fällen versucht man sich zu arrangieren. Irgendwie seinen Frieden zu machen. Es gibt Themen, bei denen ist das gut möglich. Bei anderen allerdings nicht.

„Hätte ich mal was gesagt!“

Dann fühlt sich das Schweigen wir Selbstverrat an. ZB wenn Sie die Klappe halten, während die Kollegen über #metoo reden, weil Sie keine Lust haben, erneut die Grundlagen von sexualisierter Gewalt zu erklären zu müssen. Gleichzeitig ist es ein mieses Gefühl, diese Sprüche einfach stehen zu lassen. 

Oder in der Beziehung: zu wissen, dass der Partner nicht nur den Traum des Auslandsjobs nicht teilt, sondern alles für eine ortsgebundene Kariere in dem Städtchen tut, das Sie von Anfang an piefig und eng fanden. Nichts zu sagen, signalisiert Einverständnis. Doch Sie sind nicht einverstanden. Was jetzt? Wenn Sie jetzt was sagen, steht am Ende möglicherweise die Trennung im Raum. Und das will keiner von Ihnen. 

Sich anpassen?

Je wichtiger uns jemand ist, desto unangenehmer die Vorstellung, dass dieser Mensch uns blöd findet. Das ist ganz normal. Und es führt häufig dazu, dass wir uns anpassen, und notwendige Konflikte vermeiden. Insofern ist meine Empfehlung, sehr sorgfältig zu prüfen, womit Sie Ihren Frieden machen können – und womit auch nicht. Das ist wichtig, damit Sie ernst nehmen, in welchen Punkten Sie sich selbst und Ihre Werte verraten. Wenn Sie sich nach Harmonie sehnen, müssen Sie hier den Mund aufmachen. Und weil das unbehaglich ist und Mut erfordert, hilft es, sich selbst zu beruhigen und kooperativ zu bleiben. 

Es geht nicht darum, den Partner zu zwingen, nach Buenos Aires zu gehen. Sondern mit ihm über Lebensträume zu sprechen. Über den Wunsch, ihn bei seinen zu unterstützen. Über die Angst, dass Sie Ihren möglicherweise aufgeben müssen, um mit ihm zusammen zu bleiben. Und über die Sorge, welche Konsequenzen das für Ihre Gefühle haben wird.

Oder dass Sie sich klar machen, dass für Sie #metoo ein wichtiges und wertvolles Thema ist. Und dass es sich für Sie lohnt, den netten aber vielleicht noch unbedarften Kollegen zu erklären, warum Sie die Dinge so sehen, wie Sie es tun. Auch wenn Sie danach von manchen als Radikalfeministin abgetan werden. 

Beides geht aber nur, wenn Sie klarer haben, wofür Sie stehen und was Sie wollen. Und ja, dass ist irgendwie viel schwieriger als früher. Denn die einfachen Konflikte haben Sie bereits ausgefochten. Die lösbaren Probleme gelöst (bzw die lösen Sie inzwischen locker, ohne es zu merken).

Jetzt ist es an der Zeit, sich den schwierigen Aufgaben zu stellen 😀

Buchempfehlung

Berit Brockhausen: Schöner Streiten, KÖSEL-Verlag

Der Song zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=vMLo05EGuBw

1 Kommentar

  1. Sehr guter Beitrag!

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