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Warum neugierige Fragen für eine Partnerschaft so wichtig sind

In meinem letzten Blog-Beitrag (Wie entsteht Intimität im Gespräch?) ging es um die Frage, wie sich Lars heute Abend bei seinem Date mit Marie verhalten sollte. Lars will Marie gefallen – und er will endlich kein Single mehr sein. Er will eine Familie und er will die dazu passende Frau.

Das Ergebnis war eindeutig: Will Lars gut ankommen, dann sollte er Marie nicht nur neugierige Fragen stellen, er sollte auch unbedingt ebenso interessiert nachfragen wenn sie geantwortet hat. Denn so entsteht Intimität im Gespräch.

Durch Nachfragen.

Die Zeit der rosaroten Brille

Verlieben sich Lars und Marie ineinander, dann beginnt für sie eine sehr spannende Zeit. Zum einen wird die Sexualität von verliebten Paaren zu Beginn oft besonders aufregend erlebt. Alles ist neu. Und unbekannt.

Zudem gibt es den berühmten Hormoncocktail aus Dopamin, Oxytocin, Adrenalin und Testosteron der dazu führt, dass Verliebte regelrecht süchtig nach dem anderen sind und sich absolut großartig fühlen. Sie denken, sie könnten Bäume ausreißen.

 

 

Sexualität plus Hormone – war es das schon?

Nein, ein drittes Element kommt noch hinzu: Gespräche. Auch die Gespräche sind für verliebte Paare in der Regel etwas ganz besonderes. Sie reden gerne. Sie reden viel. Stundenlang. Sie stellen dem anderen viele Fragen.

Wie neugierig zwei Verliebte aber auch sein können!

Dieses enorme Interesse am anderen (und des anderen) ist ein weiterer Punkt, der vielen Paaren in der Phase der Verliebtheit so ausgesprochen gut gefällt. Die tollen Gespräche bestätigen ihnen wieder und wieder, dass sie genau auf den richtigen Menschen getroffen sind.

Zehn Jahre später

Machen wir eine Zeitreise und schauen wir, was Lars und Marie zehn Jahre später bewegt. Ja, die beiden sind ein Paar geworden. Sie haben ein Kind bekommen, Anne. Sie sind zusammengezogen und Lars hat die Arbeitsstelle gewechselt, damit er mehr verdient. Für seine kleine Familie.

Seit einigen Wochen aber streiten die beiden immer öfter. Es geht um die Schule, in die Anne ab Herbst gehen soll. Lars findet die nächstgelegene Einrichtung völlig in Ordnung. Marie hat aber eine andere Schule im Auge, die für ihre Montessori-Pädagogik bekannt ist. Da möchte sie Anne gerne einschulen.

Das würde einen höheren Aufwand bedeuten. Anne müsste im ersten Jahr oft gebracht und abgeholt werden – auch von Lars.

Lars und Marie streiten aber nicht nur, auch die Sexualität der beiden leidet. Sie ist deutlich seltener geworden. Und ein wenig lieblos ist sie auch.

Ist das jetzt schon eine echte Ehekrise? Noch nicht – es kann aber schnell dazu kommen. Was können sie nun tun?

 

 

Sie könnten sich zum Beispiel darauf besinnen, dass Neugier noch immer eine wichtige Tugend ist. Sie könnten ein Gespräch führen bei dem es nicht darum geht, den jeweils anderen zu überzeugen, sondern stattdessen herauszufinden, warum er die Dinge so ganz anders sieht.

Jetzt wo die beiden ein Paar sind, ein langjähriges Paar sogar, geht es noch immer um die Frage, ob Lars von sich erzählt, ob er Marie Fragen stellt – oder ob er auch nachfragt. Das entscheidet darüber, wie viel Intimität im Gespräch zwischen den beiden entsteht. Das hat Auswirkungen. Auf ihre Beziehung.

Intimität im Gespräch zieht eine größere Vertrautheit und Nähe zwischen den Partnern nach sich. Und sie führt auch zu einer häufigeren Sexualität. Die Sexualität ist die Fortsetzung eins Gesprächs mit anderen Mitteln. Mangelnde Intimität zwischen den Partnern ist einer der häufigsten Gründe, warum die Sexualität seltener und liebloser wird.

Persönliche Gespräche – nicht nur Absprachen

Wichtig sind im Alltag also nicht nur Absprachen, wer wann wofür zuständig ist. Die beiden brauchen immer wieder eine große Portion Neugier auf den anderen und seine Ansichten – auch wenn es ihnen im Moment schwer fällt.

Für Lars steht der geringere Aufwand beim Schulweg von Anne im Vordergrund. Das ist ein ehrenwertes Motiv. Zwei anspruchsvolle Jobs und ein Kind – das zusammen ist für Eltern heute oft reichlich anstrengend.

Was aber bewegt Marie? Sie kann sich noch gut an die ersten Jahre in der Grundschule erinnern – „Es war schrecklich lieblos. Und langweilig“. Das möchte sie ihrer Tochter unbedingt ersparen.

Vitamin V – wie Verständnis

Reicht das schon? Müssen die beiden wirklich nur neugierig sein auf die Ansichten des jeweils anderen?

Nein. Es reicht nicht. Es ist ein Anfang. Ein guter Anfang. Was wir in einer Partnerschaft zudem dringend brauchen, dass ist das Verständnis für den Anderen. Lars braucht es. Marie braucht es.

Kann Marie die Position von Lars verstehen, dann entspannt sich die Lage. Umgekehrt gilt das gleiche. Auch Marie braucht Verständnis – ich nenne es gerne auch Vitamin V. Neugier auf den Anderen und seine Ansichten plus Verständnis für seine Position – kommt beides zusammen, dann sind die beiden ein Team. Und dann werden sie eine Lösung finden, mit der sie beide gut leben können.

 

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2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Beitrag. Besonders spannend fand ich auch den Link (Hormoncocktail). Vitamin V wie Verständnis klingt gut, aber ist in der Praxis unter Umständen schwer hinzubekommen. Es gibt einen Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Obwohl vielleicht die Einsicht da ist, nur das Beste zu wollen, kann man nicht ohne weiteres über seinen Schatten springen. Was mir auch ganz schwierig erscheint, wie es Paaren gelingt, dass sich jeder in der Partnerschaft weiterentwickeln kann. Das finde ich sehr entscheidend.

  2. Wenn Verliebtheit in Liebe mündet, man und frau die rosa-rote Brille abgesetzt haben und sich dennoch entscheiden, dass sie jetzt den und die Richtige gefunden haben, der/die passt, dann fängt eine wirklich zufriedene, ja, glückliche Zeit an. Miteinander reden, gute, intensive und offene Gespräche miteinander zu führen ist ein Schlüssel für eine harmonische Zweisamkeit. Dabei ist Zuhören und sich in den anderen einfühlen sehr wichtig. Verständnis für die Gefühle, Sichtweisen und Erfahrungen des anderen aufzubringen ist ein weiterer Baustein, um die Partnerschaft glücklich zu gestalten. Wenn dann noch die Zärtlichkeiten, Umarmungen, Küsse bleiben hat man wohl einen Glücksgriff getan. Für mich ist in der Beziehung entscheidend, wie angenehm sich das Zusammenleben im Alltag gestaltet. Fühle ich mich entspannt und geborgen, habe ich Mr. Right gefunden, auch wenn er nicht in allen Punkten meinem Traummann entspricht.

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