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Wie kann ich meiner Tochter helfen?

Meine Tochter ist geschieden und wohnt nicht weit entfernt von ihrem Exmann. Ihre gemeinsame Tochter ist 12 Jahre alt und sie erziehen im Wechselmodell. Beide Partner haben wieder einen neuen Lebenspartner, mit denen meine Enkelin gut auskommt. Meine Enkelin telefoniert oft mit ihrem Vater wenn sie bei meiner Tochter ist, zum Beispiel wegen der Hausaufgaben. Meine Tochter kann damit nicht gut umgehen. Sie befürchtet, dass das Kind eventuell ganz zum Vater möchte. Das würde meiner Tochter das Herz brechen! Meine Enkelin ist sehr sensibel, sie hat mir mal gesagt, dass sie es gut findet, dass ihre Eltern wieder glücklich sind mit den neuen Partnern. Sie merkt auch, wenn ihre Mama traurig ist und entschuldigt sich dann später. Es ist sicher keine Absicht von ihr, sie hat beide lieb. Wie kann ich meine Tochter trösten?

 

Wenn ich es recht verstehe, dann lautet Ihr Problem, dass sich ihr Ex-Schwiegersohn auch nach der Trennung intensiv um einen guten Kontakt zu seiner Tochter bemüht. Und unterschwellig höre ich auch noch eine zweite Frage: Wie lässt sich das ändern?

Meine Antwort lautet: Wozu sollte sich das ändern? Da draussen gibt es sehr viele Väter die sich nach einer Trennung nicht kümmern und es gibt sehr viele Kinder die sich darüber grämen. Und es gibt viele Ex-Ehefrauen auf deren Schultern die gesamte Verantwortung für die Entwicklung ihrer Kinder ruht und die sich einen verantwortungsvollen Vater wünschen würden.

 

Ihre Tochter macht Ihrer Enkelin ein schlechtes Gewissen

 

Ihre Enkeltochter hat großes Glück. Sie kommt nach der Trennung mit beiden Elternteilen gut klar und auch mit den neuen Partnern. Möglicherweise kann Ihr Ex-schwiegersohn gerade bei den Hausaufgaben manches besser erklären. Möglicherweise will sie aber einfach auch ein wenig Kontakt zu ihm in der Zeit, die sie hauptsächlich bei ihrer Mutter ist. Sie ist in einem Alter in dem sie das tatsächlich alleine entscheiden kann. Tut es ihr gut, dann ist es auch gut.

Dass die Mutter solche Anrufe stören, befremdet mich doch sehr. Sie macht ihrer Tochter ein schlechtes Gewissen dafür. Das schadet zum einen dem Kind. Und es belastet möglicherweise auch ihr Verhältnis zu ihrem Kind. Es ist schlussendlich auch nicht hilfreich, wenn sie Sie mit hineinzieht in ihre Konflikte. Sie stehen zu sehr auf ihrer Seite. Ich würde ihr eine Familienberatung empfehlen, damit sie mit der Situation besser zurecht kommt.

 

In meinen Augen ist das ein Missbrauch des Kindes

 

Und schließlich darf Ihre Enkelin tatsächlich selber entscheiden, bei wem sie wohnen möchte. Das ist nicht nur gesetzlich so, sondern in meinen Augen auch aus psychologischer Sicht gut und richtig. Ist das Verhältnis ihrer Enkelin zu beiden Eltern weiterhin gut, dann wird sie an dem bisherigen Arrangement eher nichts ändern wollen. Ihr für ihre Anhänglichkeit gegenüber dem Vater ein schlechtes Gewissen zu machen halte ich für eine ganz schlechte Idee.

Und noch etwas: Manchmal wollen Partner nach einer Trennung die Schuldfrage (Wer ist schuld an der Trennung?) über die Kinder lösen. Die Kinder sollen sich auf ihre Seite stellen. In meinen Augen ist das ein Missbrauch des Kindes. Es will, ist das Verhältnis zu beiden Elternteilen vor der Trennung gut, auch danach noch beide Eltern haben. Und es hat eine Recht darauf, dass niemand diesen Kontakt behindert oder stört. Zudem will sich kein Kind auf eine Seite stellen müssen. Ebenfalls zurecht.

 

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5 Kommentare

  1. Christoph Dreßler

    Starker Beitrag! Missbrauch hätte ich es nicht genannt, aber ja…

    • Andreas N.

      Doch, das ist psychischer Missbrauch, weil die Mutter (unbewusst) versucht, das Kind vom Vater zu entfremden. Damit stürzt sie das Kind in einen Loyalitätskonflikt und das zerreißt das Kind innerlich. Es lernt, dass es nicht okay ist, den Vater zu vermissen, diese Gefühle ihm gegenüber zu haben, und die Mutter parentalisiert die Tochter: das Kind fühlt sich für die Trauer der Mutter verantwortlich. So etwas kann ein Kind in diesem Alter nicht leisten, auch kann es noch nicht kritisch einschätzen, was da passiert, sondern es ist einfach nur schlimm für das Kind.

  2. Verena

    Hmm, aus meiner Sicht wurde die Frage komplett falsch verstanden. Es geht um die Angst der Tochter, dass das Kind ganz zum Vater ziehen möchte. Die Oma möchte da ihre Tochter trösten bzw. vermutlich Mut zu sprechen. Auch weil das Enkelkind sensibel ist und die Ängste vermutlich spürt. Ich habe in der Frage nichts davon gelesen, dass die Tochter den Ex-Mann schlecht machen möchte.. die Antwort zielt aber darauf ab – und meines Erachtens völlig an der Frage vorbei!

  3. Sabine Decker

    Das sehe ich ganz anders. Ich bin selber Familientherapeutin und mir fehlt in dem Beitrag jegliche Einfühlung sowohl in die Not der geschiedenen Mutter als auch in die Sorgen der Großmutter! Es ist doch ganz normal, dass in der emotional zutiefst belasteten Zeit nach einer Trennung Verlustängste bei der Mutter auftreten – schließlich ist das Kind alles, was ihr „geblieben ist“.
    Ich habe die Frage der Großmutter so verstanden, dass sie ihre Tochter bestmöglich unterstützen will angesichts dieser Herausforderung. Dafür müsste diese beruhigt und gestärkt werden. Das wird nicht durch Vorwürfe gelingen! Diese werden die seelische Not noch größer machen. Das kann meiner Meinung nach niemals unsere Absicht als Therapeuten sein.

    • Christian Thiel

      Die Trennung ist ja nun schon eine Weile vorbei. Beide Eltern sind neu gebunden.
      Wenn die Tochter nur mit einem schlechten Gewissen gegenüber der Mutter den Vater anrufen kann, dann läuft etwas schief. Ich kann und ich will das nicht beschönigen. Missbrauch ist aber, zugegen, ein starkes Wort.
      Durch das Verhalten der Mutter kann durchaus nicht nur die seelische Not der Tochter vergrößert werden (niemals meine Absicht), als auch die der Mutter (auch nicht meine Absicht).

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