Die Liebesblogger

Sie leben in den ‚letzten schrecklichen‘ Jahren

Ich (24) bin nun seit fast fünf Jahren mit meinem Freund zusammen. Ich erinnere mich noch genau, wie toll ich ihn anfangs fand. Damals bei meiner ersten Beziehung fiel mir das Schluss machen schon unfassbar schwer. Obwohl es ja “nur” eine Teenager Beziehung war und noch lange nicht so ernst wie die, in der ich jetzt verweile. Mein jetziger Freund und ich wohnen seit zwei Jahren zusammen.
Ich erinnere mich noch, dass ich mir ziemlich unschlüssig war, ob das wirklich ein guter Schritt ist, aber damals dachte ich, wenn’s nichts wird, ziehe ich eben wieder aus. Hier sitze ich nun und überlege mir seit knappen zwei Jahren, was wohl das beste für uns ist. Ich habe es schon oft angesprochen und man merkt es auch dadurch, dass ich weder Körperkontakt suche, noch gerne zulasse. Von Sex an der Stelle ganz zu schweigen. Die Situation bringt mich zum verzweifeln. “Er hat das nicht verdient” ist meine Ansicht und er liebt mich sehr. Er will darum kämpfen, aber ich hab das Gefühl, dafür ist zu viel Zeit vergangen. Seine Familie hat mich voll und ganz eingeschlossen und ich fühle mich wie mit meiner eigenen Family, wenn wir Zeit verbringen.

 

Warum nur fällt es uns so schwer, uns zu trennen? Möglicherweise gibt es ja einen guten Grund. Der erste könnte lauten: Partnerschaften geben uns Halt. Das ist bei Ihnen sehr deutlich zu sehen. Sie sind schon in sehr jungen Jahren in das Abenteuer der Liebe gestartet – möglicherweise ja, weil Sie dort Halt suchten. Wer in der Liebe Halt sucht, der findet sie oft in seiner Herkunftsfamlie nicht. Das ist verständlich.

Damit wären wir bei einem zweiten Grund, warum Ihnen eine Trennung schwer fällt. Sie haben möglicherweise als Kind schon gelernt, festzuhalten. Und zwar an einer eher schwierigen Beziehung. Das was Sie da gelernt haben (bei Ihrer Mutter oder Ihrem Vater) das wenden Sie jetzt an. Alle Menschen machen das so und der Grund dafür ist ganz einfach: Unser Gehirn speichert Erfahrungen ab. Haben wir also als Kind viel Übung darin gehabt, eine schwer erreichbare Mutter (oder Vater) zu erreichen, dann halten wir es später auch mit schwer erreichbaren Partnerinnen oder Partnern lange aus.

 

Ihr Gefühlsleben reagiert darauf, dass es sich mit dem Partner wenig verbunden fühlt

 

Das gilt aber nur für einen Teil von uns. Tief in uns drin fehlt uns doch etwas. Das ist in Ihren Zeilen sehr deutlich zu sehen. Ihr Gefühlsleben lehnt körperliche Nähe zu Ihrem Partner schon ab. Warum tut es das? Weil es eine Entscheidung getroffen hat. Ihr Köper reagiert also schon (ich will keinen Sex; ich will keine Nähe) während Ihr Verstand noch immer sagt: Nun hab dich doch nicht so. Er ist doch ganz okay. Das kann ich ihm nicht antun. Das hat er nicht verdient.

Gegen die Entscheidung Ihres Körpers und Ihres Gefühlslebens (Ich will keinen Sex!) kommt niemand mit dem Verstand an. Ihr Gefühlsleben reagiert darauf, dass es sich mit dem Partner wenig verbunden fühlt. Emotional verbunden. Es hat Recht.

Eine Beziehung endet, wenn unser Gefühlsleben dafür ist, die Sexualität einzustellen. Es gibt kaum ein stärkeres Signal für ein Ende der Beziehung als das Ende der Sexualität. Auch nach diesem offiziellen Ende der Beziehung können zwei Menschen so tun, als ob sie noch immer ein Paar wären. Mich als Berater erstaunt das nicht. Manche Menschen fürchten schlicht das Alleine sein. Oft denken beide „Ich finde nie wieder so jemand tollen wie ihn, wie sie!“ Das ist nach meiner Erfahrung nicht wahr.

 

Ach, hätten wir uns doch nur ein paar Jahre  eher getrennt!

 

Der häufigste Satz den ich als Singleberater höre lautet: Ach, hätte ich mich doch nur ein paar Jahre eher getrennt. Die letzten Jahre waren schrecklich. Sie leben gerade in diesen letzten, schrecklichen Jahren. Eines Tages werden Sie den Mut haben zu gehen. Oder Ihr Partner wird das Handtuch werfen. Wenn Sie sich dann Jahre später wiedersehen, werden auch Sie sagen: Ach, hätte wir uns doch nur ein paar Jahre eher getrennt.

Hat er es verdient, dass Sie sich trennen? Ich habe zu dieser Frage eine ganz klare Meinung: Er hat eine Partnerin verdient, die ihn heiß und innig liebt – und die nicht ambivalent ist. Er hat eine Partnerin verdient, die ihn gerne berührt und auch gerne Sex mit ihm hat. Hat er das alles? Nein. Also sollte er sich eine neue suchen.

Nun habe ich Ihre Beziehung jetzt gerade nur aus seiner Warte dargestellt. Das liegt an Ihrer Frage „Hat er das verdient?“. Auch die umgekehrte Frage ergibt einen Sinn: Haben Sie das verdient? Sie haben eine Partnerschaft verdient, in der Sie Ihren Partner heiß und innig lieben – ohne die ständige Ambivalenz. Sie haben einen Partner verdient, den Sie gerne berühren. Und mit dem Sie gerne Sex haben. Wenn zwei Menschen keinen Sex mehr miteinander haben, dann leiden zwei Menschen. Der eine ist Ihr Partner, zugegeben. Die andere aber, dass sind Sie.

 

Mehr wissen

Am 30. März startet der nächste Online-Workshop zur gelingenden Liebe:

 

Online-Workshop: „Grundkurs: Liebe und Partnerschaft.
Ein Kurs für Singles und Paare“

Ist Liebe eine Kunst? Ist sie das Ergebnis des Waltens höherer Mächte oder aber einer langwierigen Arbeit an sich selbst? Müssen wir zuerst lernen, uns selbst zu lieben, bevor wir mit einem anderen glücklich werden können? Fragen über Fragen.

Und dann gibt es ja auch noch den romantischen Mythos von der großen Liebe: Sie sahen sich, verliebten sich auf der Stelle – seither leben sie in perfekter Harmonie miteinander. Tag für Tag verlaufen Spielfilme im Fernsehen nach diesem Muster. Aber: Ist das alles überhaupt realistisch?

Im Grundkurs Liebe und Partnerschaft erhalten Sie Antworten auf all diese Fragen. Sie lernen die wichtigsten Liebestheorien kennen, die Philosophen, Psychologen und andere Wissenschaftler im Laufe der Zeit  entwickelt haben. Sie lernen auch die wichtigsten Liebesmythen kennen, die unsere Kultur prägen. Und sie sehen, wie sich Liebesmythen und Forschungsergebnisse ganz konkret auf die Partnersuche und auf eine Beziehung auswirkt.

Wie funktioniert der Onlineworkshop?
Sie bekommen wöchentlich per Mail einen Studienbrief, in dem Sie viele Hinweise finden, wie Sie in ihrer Beziehung Streit vermeiden können. Gleichzeitig haben Sie die Möglichkeit, per Mail Ihre Erfahrungen zu dem Thema beizusteuern und Fragen an mich zu stellen.

Diese Zuschriften werden, zusammen mit meinen Antworten, im Forum zusammengefasst und gehen ebenfalls wöchentlich an Sie. Es gibt keine Präsenzzeiten oder Zoom-Calls. So sind Sie zeitlich völlig flexibel bei der Teilnahme.

Vom 30. März bis zum 25. Mai

Kosten: 65 €

Anmeldung: kontakt@die-liebe-bleibt.de

 

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2 Kommentare

  1. E.P.

    Jetzt ist es ja so, dass es durchaus Beziehungen gibt, die Krisen durchstehen in denen keine sexuelle Anziehung mehr besteht, und aber gestärkt auf der anderen Seite wieder heraus kommen. Wie würden Sie das erklären? Ist es angesichts dessen nicht etwas vereinfacht zu sagen, dass eine Beziehung ihr Ende erreicht hat, nur weil die sexuelle Anziehung nicht mehr da ist?

    • Christian Thiel

      Es hängt in meinen Augen davon ab, wie lange ein Paar zusammen ist. Und seit wann die Sexualität zum Erliegen gekommen ist. Und natürlich hängt es auch davon ab, was man tut. Einfach abwarten führt (in der Regel) zu einer zunehmenden Entfremdung. So scheint es mir hier zu sein.
      Bei Paaren die ein oder zwei Jahre keine Sexualität mehr haben, ist eine Wiederaufnahme leider sehr unwahrscheinlich. Ich als Berater habe das noch nicht erlebt. Und schon gar nicht bei einem Paar, das so jung ist. Deshalb muss ich das so deutlich sagen.

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