Die Liebesblogger

Mein Mann ignoriert meine Bedürfnisse

Ich habe da mal eine Frage:  Wir sind Mitte 50. Auch ich meckere viel mit meinen Mann herum – und er geht dann in seinen Hobbyraum. Er spricht wochenlang nicht mit mir, was mich noch wütender macht, dann sagt man auch etwas, was einem hinterher Leid tut. Ich werde aber auch ständig wütend, weil alles ignoriert wird was ich sage. So z.B, wenn ich einen Ausflug machen will, dann muß ich X-Mal darum betteln. Wenn er sich dann ein-, zweimal im Jahr aufrafft, nur damit ich Ruhe gebe, dann macht es mir auch keinen Spaß. Ich habe ihm mehrmals gesagt, ich würde mich gern einfach mal ankuscheln, oder in den Arm genommen werden, alles wird ignoriert. Dann steigen wieder die Tränen in mir auf. Ich frage mich dann, warum tue ich mir dass alles an. Ich habe ihm schon mehrmals die Trennung angekündigt. Ich bin doch nicht nur seine Haushälterin.

 

Was Sie beschreiben, das entspricht der Geschichte, die wieder und wieder über Paarberatungen erzählt wird. In der fragt der Paarberater den Mann, warum er sich immer in seinen Hobbyraum zurückzieht. Da entgegnet der Mann: „Na, weil meine Frau so viel mit mir schimpft! Das kann doch keiner aushalten.“ Daraufhin fragt der Berater die Frau, warum sie so viel mit ihrem Mann schimpft. Und was sagt die Frau darauf? Richtig, sie sagt: „Na, weil er immer in seinen Hobbyraum geht!“

Sie sehen, auch dieses Paar will und will nicht zueinander finden. Dabei ist doch das Zusammensein der Sinn einer Beziehung. Wir sollen uns dabei allerdings auch gut tun – und genau dazu kommt es bei Ihnen beiden nicht.

 

Die meisten Menschen reagieren negativ auf Kritik

 

Wie kommt es zu so einer Entwicklung? In der Regel beginnt es damit, dass zwei Menschen schlicht unterschiedliche Vorstellungen von einer Partnerschaft haben. Entspricht der andere dem nicht – dann wird er kritisiert. Menschen die kritisiert werden neigen nicht etwa dazu ihr Verhalten zu verändern. Das Gegenteil ist der Fall. Entweder wehren sie sich – sie machen ja in ihren Augen alles richtig. Oder sie ziehen sich zurück – zum Beispiel in den Hobbyraum. Dort fühlen Sie sich dann wohl – dort werden sie ja nicht kritisiert.

Diese Entwicklung passiert natürlich nicht über Nacht, sondern vollzieht sich schleichend. Die Frau kritisiert ihren Mann immer öfter. Er zieht sich immer öfter zurück vor ihr. Und beide sind in der Regel unzufrieden. Es ist schwer vorstellbar, dass das bei Ihrem Mann anders ist. Oder glauben Sie, er ist glücklich mit dem derzeitigen Zustand?

Fragen Sie ihn doch mal. Wie sieht er denn Ihre Partnerschaft? Was fehlt ihm? Was hätte er gerne anders? Oft kommen Paare nur voran, wenn jeder dem anderen zuhört. Es nutzt also nichts, wenn Sie sich bei Ihrem Partner beklagen. Auch Wut hilft nicht. Wünschen wäre deutlich besser. Und dann sollten Sie sich nach seinen Wünschen erkundigen.

Wünscht er sich zum Beispiel mehr Sex? Kein Problem, das kann er haben. Dazu muss er nur aufmerksamer werden, seine Frau öfter in den Arm nehmen, ihr gut zuhören wenn sie von ihrem Tag erzählt. Dann fühlt sie sich verstanden. Und hat mehr Lust auf abendliches Kuscheln. Mehr Sex fällt nun mal nicht einfach so vom Himmel. Nur wenn wir uns verbunden fühlen miteinander, dann kommt es dazu. Was auch ganz enorm hilft ist, wenn Männer sich an der Hausarbeit angemessen beteiligen. Auch das sorgt für gute Stimmung in der Beziehung – und die gute Stimmung sorgt für mehr Sex. Und für mehr Lust auf gemeinsame Unternehmungen.

 

 

 

Christian Thiel lebt und arbeitet als Single- und Paarberater in Berlin (die-liebe-bleibt.de). Von ihm gibt es unter anderem die Bücher „Streit ist auch keine Lösung“ und „Suche einen für immer und ewig“.

 

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1 Kommentar

  1. Björn

    Diese Konklusion finde ich etwas zu simpel. Ganz provokant gesagt: Sex gegen Hausarbeit.
    Aber ich stimme überein: Beide wollen gehört werden – Akzeptanz. Und ab einer gewissen Lebensphase verändern Menschen sich auch nicht mehr sehr schnell.
    Außerdem entsteht Unzufriedenheit durch Erwartung: Der Partner/die Partnerin ist anders als ich es mir wünsche => Ignorieren oder Kritisieren.
    Aus meiner Sicht geht es darum, den anderen Menschen so zu nehmen, wie er ist. Und zu sehen und zu achten, was der andere tut. Es gibt keine Instanz, die sagt, so macht der andere es gut, so mache ich es gut. Wir müssen es selber finden und akzeptieren.
    Das Beispiel mit dem „In den Arm genommen werden“ der Ehefrau ist ein sehr schönes: Warum wünscht sie sich das? Um sich akzeptiert zu fühlen.
    Problematisch für die „weibliche“ Seite ist meiner Einschätzung nach, dass Männer mehr Sitzfleisch haben, was „Nicht-Aktzeptiert-Werden“ angeht. Ein Lebensabend im Hobbyraum ist nicht ideal, aber kein Problem. Weiter-Ignorieren der Partnerin, auch kein Problem.
    Klar kann der Mann aufmerksamer und zugewandter sein. Aber warum aus der Lokal-optimalen Komfortzone heraus ins Meckerfeld kommen?
    Sie akzeptiert, er akzeptiert. Im besten Fall gleichzeitig.
    Ich mag Ihre pragmatischen Ratschläge. 😉

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