Die Liebesblogger

Mein Mann geht fremd

Mein Mann hat mir (47) nach fast 30 Jahren Beziehung und 24 Jahren Ehe vor drei paar Wochen überraschend eröffnet, dass er sich vor ein paar Wochen sehr heftig in eine Kollegin verliebt hat und jetzt nicht weiß, wie es mit uns weitergeht. Er arbeitet weit entfernt und ist nur am Wochenende da. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen. Jetzt trifft er sich unter der Woche an seinem Dienstort mit ihr und ich bin wirklich sehr erschüttert darüber, wie schnell er diese Beziehung intensiviert, obwohl er sagt, dass das mit uns beiden (wir haben zwei Kinder 18 und 21 Jahre alt, ein gemeinsames Haus und hatten einfach auch einen gemeinsamen Lebensplan) für ihn noch nicht beendet ist. Es verletzt mich jeden Tag so sehr, wenn ich weiß, dass er bei ihr ist.

Ich fürchte, er wird sich nicht entscheiden können. Wahrscheinlich werde ich jetzt erstmal den Kontakt komplett zu ihm abbrechen, einfach, damit ich ein bisschen zur Ruhe kommen kann und nicht mehr so leiden muss.

 

Sie befinden sich von heute auf morgen in einer sehr schwierigen Lage. Das führt in aller Regel zu sehr wechselhaften Stimmungen. Das ist verständlich. Ich werde jetzt gleichwohl recht rational argumentieren. Und schauen, welche Optionen Sie haben.

Ich mag Zuschriften, bei denen die Lösung gleich mitgeschickt wird. Wobei „Lösung“ sicher nicht ganz das passende Wort ist. „Notmaßnahme“ trifft es wahrscheinlich besser. Kein Kontakt zum Partner zu haben ist bei Untreue so eine Notmaßnahme. Und in der Regel ist es eine sehr hilfreiche Handlung.

Ich rate bei Untreue oft: Stellen Sie ihm (ihr) die Koffer vor die Tür. Viele die von Untreue betroffen sind wollen das aber nicht. Sie wollen stattdessen „um die Ehe kämpfen“. Wie auch immer das gehen soll – bei all den tagtäglichen Verletzungen. Und bei der großen Verliebtheit des Partners in eine Andere, ein Gefühl, gegen das Sie nicht ankommen können, zumindest nicht, wenn die Verliebtheit noch so groß ist.

 

Die Verliebtheit verfliegt in manchen Fällen von einem auf den anderen Tag

 

Zur Ruhe kommen Sie möglicherweise besser, wenn Sie den Kontakt weitgehend abbrechen. Und nicht nur Sie kommen zur Ruhe, Ihr Partner erfährt auf diese Weise deutlich, was der Weg den er eingeschlagen hat für die weitere Zukunft bedeutet: Die Familie zerbricht. Das Haus das Sie sich gebaut haben, ist kein gemeinsames Zuhause mehr. Und dann muss er sehen, wie er mit seiner neuen Liebe zurecht kommt. Im Alltag. In der Regel hält das nur wenige Wochen oder Monate. Die Verliebtheit verfliegt in manchen Fällen sogar von einem auf den anderen Tag. Und dann will er zurück. Für diese Entwicklung gibt es natürlich keine Garantie. Sie ist allerdings ziemlich wahrscheinlich.

Sollten Sie ihn zurücknehmen? Kommt drauf an. Will er einfach nur zurück, will er die Vergangenheit schlicht vergessen und nicht über die Gründe für seine Untreue reden, dann sollten Sie dieses Angebot klar und deutlich ablehnen. Auf so einer Basis gibt es keine sinnvolle Wiederaufnahme oder Fortsetzung einer Beziehung. Die meisten Paare brauchen in dieser Lage professionellen Rat und Unterstützung um zu verstehen, wie es zu der Untreue gekommen ist. Das sollten Sie ihm vorschlagen.

 

Die Untreue Ihres Mannes ist nur der Rauch – nicht aber das Feuer selber

 

In einem Punkt muss ich Sie allerdings warnen. Mir haben schon viele Menschen, Männer wie Frauen, davon erzählt, wie überrascht sie von der Untreue des Partners oder der Partnerin waren. In der Regel reichen zwei bis drei Fragen von meiner Seite aus, um herauszufinden welche Anzeichen für eine Krise der Beziehung es schon lange gab. Das Problem ist: Sie haben diese Anzeichen (beide) übersehen. Das führt auf Ihrer Seite zu der großen Verunsicherung und zu der Frage: „Wie kann ich dir jemals wieder vertrauen?“

Sie müssen verstehen, dass die Untreue Ihres Mannes nur der Rauch ist – nicht aber das Feuer selber. Am Grund einer Krise wie der Ihren findet sich in der Beratung nahezu immer eine Ehekrise. Für diese Ehekrise sind beide Partner, sie und er, verantwortlich. Nach meiner Erfahrung sind beide Partner zu ziemlich genau 50 Prozent für die Ehekrise verantwortlich. Beide haben nicht das richtige getan. Diese Verantwortung müssen Sie beide verstehen, bevor es an einen Neuanfang gehen kann.

Für die Untreue selbst ist nur einer verantwortlich – Ihr Mann. Und diese Verantwortung muss er übernehmen. Will er die Ehe fortsetzen, muss er den Kontakt zur Geliebten vollständig beenden. Und er muss sich auf Sie beide als Paar konzentrieren. Was hat ihm gefehlt in der Beziehung? Was hat Ihnen gefehlt? Warum hat er nichts gesagt? Das waren jetzt nur einige wenige Fragen, auf die auch Sie eine Antwort brauchen. Nachdem Sie zur Ruhe gekommen sind.

 

6 Kommentare

  1. Matthias 49 J.

    Das liebe Fremdgehen… was, wenn Mann versucht zu sprechen, was einem fehlt zu äußern, nicht nur den Wunsch nach einer gemeinsamen kleinen Feierabendrunde in den Sonnenuntergang ausspricht, sondern dies mehrfach als Bitte formuliert- und der andere doch gleichgültig bleibt. Ich habe manchmal das Gefühl, mit einer Wand zu sprechen. Es kommt nichts zurück und irgendwann hab ich dann keine Lust mehr und küsse die Arbeitskollegin.
    Dies ist meine Situation und ich weiß nicht, wie lange ich noch versuche, ehrlich zu bleiben. Oder einfach die Andere kosten und wenn diese Fremdverliebtheit vorbei ist, wieder ganz der Ehe gehören?

    • Christian Thiel

      Zu einer guten Ehe gehört mehr als eine Feierabendrunde in den Sonnenuntergang.
      In einer Ehe geht es um die Bedürfnisse und Wünsche zweier Menschen. Wann haben Sie Ihre Frau das letzte Mal gefragt, was ihr fehlt?
      Was ist passiert, dass Sie nicht mehr mit Ihnen reden möchte? Das war ja nicht immer so.
      Bevor Sie sich der Kollegin zuwenden, sollten Sie alles versuchen, Ihre Ehe zu verbessern. Geht das nicht, dann sollten Sie sich erst trennen und sich dann eine neue Partnerin suchen.
      Und wie bitte kann man nach einer Fremdverliebtheit wieder ganz der Ehe gehören? Ich habe da Zweifel.

  2. Julia 46 J.

    Erst einmal gilt mein Mitgefühl der Schreiberin, die sich in dieser schwierigen Situation befindet – hoffentlich konnten Sie etwas zur Ruhe kommen.
    Die Situation kann ich sehr gut nachempfinden, da sie mir sehr ähnlich vor drei Jahren passiert ist. Allerdings kam es bei uns dann sehr schnell zur Trennung, mein Mann (46 J.) zog aus, und ich lebe seitdem mit unseren Kindern (13 und 10 J.) alleine. Auch was Sie, Herr Thiel, über die wahrscheinliche weitere Entwicklung schreiben, traf genau zu: Das Verfliegen der Verliebtheit und schon bald die ersten Signale, dass alles ein Fehler war und er zurück will. Seitdem ist er sehr bemüht, das Vertrauen wieder aufzubauen und Dinge zu ändern, und wir haben gemeinsam die Ursachen der Krise aufgearbeitet. Allerdings habe ich die monatelangen Lügen bis heute nicht vergessen und frage mich, ob wir noch einmal glücklich werden können. Wie ist Ihre Einschätzung, kann ein zweiter Versuch funktionieren? Und wenn man sich dafür entscheidet: Wie sollte man es konkret angehen? Aktuell habe ich noch Bedenken, die durch die Verantwortung für die Kinder noch vergrößert werden, andererseits möchte ich unsere lange Beziehung auch nicht zu leichtfertig endgültig aufgeben. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    • Christian Thiel

      Wichtig ist, dass es nicht so weitergeht wie vorher und dass (wie Sie schon schreiben) Ursachen der Krise aufgearbeitet werden. In der Regel muss sich einiges ändern, damit eine Beziehung fortgesetzt bzw. wiederaufgenommen werden kann.
      Gerne empfehle ich zwei Bücher:
      Andrew Marshall: Kann ich dir jemals wieder vertrauen?
      Shirley Glass: Psychologie der Untreue.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian Thiel

  3. Christian Kühnert

    Hallo Herr Thiel!
    Bei mir war es ähnlich und gerade kommt mir ein Gedanke, dass die klare Kommunikation von Anbeginn der Beziehung an am allerwichtigste ist. Ich bin 50 Jahre alt und war neunzehn Jahre verheiratet. Von den neunzehn Jahren hatten wir sechzehn Jahre mit überwiegend glücklichen Phasen.
    Einen Monat bevor wir das Trennungsjahr begannen, ging ich zu einer neurologischen Reha, wo mir meine Traumfrau begegnete und sechs Monate später mit ihr die bisher drei schönsten Jahre in einer Fernbeziehung begannen. Während dieser Beziehung, entwickelte ich mich m.E. mehr als in der vorherigen Ehe. Ich will mich mit meiner nächsten Beziehung absprechen um mit meiner Partnerin die Kommunikation aufrecht zu halten. Bei der Mutter meiner Kinder meiner erste Ehefrau gab es Kommunikationsprobleme, weil ich es damals noch nicht wusste und sie aus dem europäischen Süden aus Albanien stammte. Und bei meiner Beziehung danach wusste ich es auch noch nicht.

  4. Sina

    Lieber Herr Thiel,
    ich habe Ähnliches durchgemacht, allerdings über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren. Habe in der Zeit angefangen Podcasts über Beziehungen anzuhören und habe speziell von Ihnen eine Menge gelernt. Vielen Dank dafür!!! Ich hab so wahnsinnig viel falsch gemacht. Mein Mann redet nicht darüber. Ich muss es alleine verarbeiten, aber ich denke es gelingt mir ganz gut. Seit einem halben Jahr ist es vorbei und unsere Beziehung ist jetzt so viel besser und schöner und ich bin unendlich dankbar dass ich ihn nicht verloren habe. Wir sind seit unserer Jugend ein Paar und haben drei gemeinsame Kinder zwischen 18 und 29 Jahren. Ganz liebe Grüße!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

12 − 12 =

© 2024 Herzenssache

Theme von Anders NorénHoch ↑