Mein Mann will schon seit der Geburt unserer Tochter (8) keinen Sex mehr mit mir (44). Er ist überhaupt sehr sparsam, nahezu geizig, was mich ständig stört. Wir wollen die Ehe aber trotzdem aufrechterhalten – wegen des Kindes. Nun habe ich mich, für mich völlig unerwartet, in einen Geschäftspartner (62) meines Mannes verliebt, mit dem wir regelmäßig Kontakt haben. Er scheint diese Gefühle zu erwidern. Wir werfen uns oft heiße Blicke zu – und das in Anwesenheit unserer Ehepartner.
Durch die Resonanz die ich bei dem anderen Mann finde, verwandele ich mich irgendwie, werde immer schöner und strahlender und bekomme von allen Seiten überschwängliche Komplimente. Plötzlich habe ich auch in anderen Zusammenhängen eine Reihe von Verehrern, die mir das teilweise auch noch sagen, trotz meiner Ehe – das kommt alles unerwartet und zu meinem grenzenlosen Erstaunen. Und es ist natürlich sehr gut für mein Selbstbewusstsein. Trotzdem weiß ich nicht so richtig weiter. Fremdverliebt zu sein fühlt sich so dermaßen angenehm an, nach all den Jahren der Abstinenz. Aber eine Perspektive gibt es ja nicht.
Sie begnügen sich in der Liebe in meinen Augen gerne mit den besonders niedrig hängenden Früchten – und halten das für eine gute Strategie für das Lebensglück. Ich stimme dem ganz ausdrücklich nicht zu.
Sie sind jetzt bereits drei Mal in der Liebe falsch abgebogen: Bei der Partnerwahl. Bei der Entscheidung, Ihr Liebesleben für 15-20 Jahre stillzulegen. Und auch als Sie sich in eine imaginäre Liebe geflüchtet haben, eine fiktive Liebesgeschichte ohne Aussichten.
Ihre unglückliche Ehe lastet jetzt auf Ihrem Kind
Fangen wir mit der Partnerwahl an. Die Wahl eines Mannes, der ungern Sex hat, ist nur für Frauen eine gute Lösung, die auch ungern Sex haben. Sie gehören nicht dazu. Zudem ist Ihr Mann auch noch wenig gebefreudig (was zu der geringen Bereitschaft zum Geben beim Sex gut passt). Das ist eine Blaupause für eine schwierige Ehe. Und für ein geringes Lebensglück. Diese unglückliche Ehe lastet jetzt auf Ihrem Kind. Für ein Kind und seine Entwicklung ist das nicht gut. Sie gehen davon aus, Ihrem Kind in einer distanzierten und lieblosen Ehe ein gutes Zuhause zu bieten. Ich nicht.
Zudem besteht Ihr Leben aus einer dauerhaften Lüge. Sie schauspielern eine gute Ehefrau, die Sie nicht sind. Und Sie glauben ernsthaft, Ihr Kind bekomme von all dem nichts mit? Das ist erstaunlich. Und es ist sehr unwahrscheinlich. Mit Ihrer Entscheidung für eine funktionale Ehe (auch Eltern-WG genannt) sind Sie ein weiteres Mal falsch abgebogen. Das menschliche Gefühlsleben hält so etwas nur in Ausnahmefällen aus. In der Regel leidet es. Keine Anerkennung, keine Wertschätzung, keine Komplimente, keine Bewunderung als Mensch wie als Frau, keine Zärtlichkeiten und – kein Sex. Kaum jemand hält das dauerhaft gut aus, vermutlich auch Ihr Mann nicht. Ich hatte auch schon Fälle in der Beratung, bei denen der Mann angeblich keinen Sex mehr wollte und trotzdem hat er seine Frau nach einigen Jahren betrogen. Womit wir beim dritten Fall von falsch Abbiegen sind. Ihrer Untreue.
Der Mann in den Sie sich verliebt haben ist nicht zu haben
Über viele Jahre emotional unterversorgt zu sein, das macht empfänglich für emotionale Zuwendung von Außen. So ist es auch Ihnen ergangen. Und dabei haben Sie Ihre Ansprüche noch einmal heruntergeschraubt. Der Mann in den Sie sich verliebt haben ist nicht zu haben. Er ist sehr einfach zu entflammen, ist er doch gleich 15 Jahre älter als Sie. Das schmeichelt seinem Ego. Der Kontakt ergibt sich, aufgrund familiärer Freundschaften. Sie müssen sich nicht einmal bemühen. Sie nehmen also den Mann, der „zur Hand ist“, wie ich es nenne. Das dürfte auch für die anderen Männer gelten, die Ihnen jetzt eindeutige Angebote machen.
Wie oft ich von solchen Konstellationen höre? In der Beratung kommen sie ganz regelmäßig vor. Keine der Geschichten ist gut ausgegangen. Und mit „gut ausgegangen“ meine ich, dass Sie als die untreue Frau (emotional untreue Frau) erheblichen Schaden nehmen können. Das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen an der emotionalen Affäre Beteiligten: Ihr Flirtpartner, seine Frau und auch Ihr Mann.
Untreue kommt nahezu immer raus
Regel Nummer eins für die Untreue lautet: Sie kommt nahezu immer raus. Ich wäre ganz froh, wenn alle die sich in Richtung Untreue bewegen, diese Regel kennen würden. Mehr als ein Prozent Wahrscheinlichkeit, dass es bei Ihnen nicht rauskommt, gebe ich Ihnen nicht. Dann erwartet Sie möglicherweise ein erhebliches Chaos. Ihr Mann kann komplett ausrasten, haben Sie ihn doch unter seinen Augen mit einem Mann betrogen, der eigentlich loyal zu ihm stehen sollte. Ihr Kind kann sich geschockt gegen Sie wenden. Die Ehefrau des Geschäftspartners Ihres Mannes kann die Nachricht von Ihrer Untreue in der ganzen Stadt verbreiten. Die Liste der Dinge, die dann Ihr Leben zur Hölle machen können, ist leider unendlich lang. Das ist im übrigen auch der Grund, warum immer wieder im Verlauf einer Untreue, der oder die Untreue selber erhebliche psychische Probleme bekommt und in eine Klinik muss. Ich habe diesen Fall gerade zwei Mal in der Beratung. Ganz ehrlich: Ich wünsche das niemandem.
Regel Nummer zwei bei Untreue lautet: Nahezu niemand würde sich je auf eine Untreue einlassen, wenn er auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, wie sie ausgeht. Die Schäden, die im Rahmen solcher Konstruktionen entstehen, sind leider sehr hoch.
Meiden Sie bitte jede Begegnung mit diesem Mann
Ihre derzeitige emotionale Untreue lebt von dem angenehmen Gefühl, niemandem geschadet zu haben, sowie der der Annahme, Ihre Handlungen kommen nicht raus. Beides ist falsch, auch das Erstere. Sie haben der Ehe des Geschäftspartners ganz erheblichen Schaden zugefügt. Kommt alles raus, dann haben Sie Ihrem Mann und Ihrer Tochter erheblich geschadet, so sehr, dass es zumindest fraglich ist, ob die beiden in Ihrem Leben noch jemals wieder mit Ihnen reden. Kommt es zu einem langgezogenen Rosenkrieg, was bei Untreue oft passiert, wird Ihre Lage noch unangenehmer.
Meiden Sie bitte jede Begegnung mit diesem Mann. Konzentrieren Sie sich auf Ihr reales Liebesleben. Hierfür müssen Sie bessere Lösungen finden. Sorgen Sie bitte für eine klare Trennung. Danach suchen Sie sich einen passenden Partner. Biegen Sie bitte nicht auch noch ein viertes Mal falsch ab. Alle Männer, die Ihnen in den letzten Wochen und Monaten, eindeutige Angebote gemacht haben, sollten Sie nach einer Trennung komplett ignorieren. Ein passender Mann ist erstens Single und macht (zweitens) keiner verheirateten Frau Angebote.



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