Die Liebesblogger

Er erzählt nur von Problemen

Ich habe vor 5 Wochen einen Mann übers Internet kennengelernt. Wir hatten viel Spaß und konnten über Gott und die Welt plaudern. Schon am nächsten Tag hatte ich eine tolle Whatsapp auf dem Handy. Dann haben wir uns wieder getroffen – auch toll. Telefoniert haben wir schon stundenlang, wir sind sehr vertraut miteinander. Seine Frau ist vor einigen Monaten ausgezogen und er ist froh, dass er nun endlich allein wohnt. Nun hat er zusätzlich noch Stress im Beruf und Gespräche mit ihm sind seither sehr voller Probleme. Mir ist das zu viel. Was kann ich tun, ohne ihn zu verprellen?

 

Für das Kennenlernen gibt es einige Regeln. Eine heißt: Das erste Treffen sollte nur 90 Minuten dauern. Danach gibt es keine lange Mails und keine humorvollen Whatsapp-Nachrichten und schon gar keine stundenlangen Telefonate – sondern ein zweites und ein drittes Treffen.

Ich begründe diese Regeln gerne – aber schon aus Ihren Zeilen ergibt sich, was das Hauptproblem ist: Es entsteht zu viel Hoffnung. Und dann ist die Enttäuschung groß. Verständlich. Man hat das Gefühl, miteinander vertraut zu sei, ist es aber gar nicht.

Zwei Menschen können sich nicht über Whatsapp oder beim Telefonieren kennenlernen. Auch bei Zoom geht das nicht. Zwei Menschen können sich nur in der persönlichen Begegnung so kennenlernen, dass eine innere Entscheidung für den anderen fällt.

Sie sollen und müssen ihn treffen – nicht mit ihm chatten oder telefonieren. In der Realität muss die Vertrautheit entstehen. Und genau das tut sie bei Ihnen nicht, jedenfalls derzeit nicht mehr.

 

Rede nicht schlecht von deiner Ex

 

Eine weitere wichtige Regel beim Kennenlernen heißt übrigens: Rede nicht schlecht von deiner Ex. Erst wenn Sie beide verliebt sind, darf auch mal etwas Negatives erzählt werden. Über ihn oder sie herziehen darf man auch jetzt noch nicht.

Das heißt also: Ein Flirt bewegt sich im Bereich des Positiven. Erzählt ihr Flirt-Partner beim zweiten oder dritten Date von seinen enormen gesundheitlichen Problemen, von seinem entsetzlichen Chef, seinen fiesen Kindern, seinen egoistischen Enkeln oder der absolut dumm-dreisten Ex – dann ist der Flirt leider so gut wie zu Ende. Was bei ihrem Kandidaten auffällt, das ist die unglaublich kurze Zeit die er erst Single ist. Kaum ist die Ex ausgezogen, sucht er den Ersatz. Das zeigt in meinen Augen vor allem, wie bedürftig er ist.

 

Sie dürfen ihn „verprellen“

 

Schade, schade – aber ich fürchte, er hat es vermasselt. Und Sie haben sich leider viel zu viele Hoffnungen gemacht.

Einen einzigen schönen Abend zu zweit zu haben ist ganz leicht. Das gelingt vielen Menschen. Was wir aber brauchen, um uns zu verlieben, dass sind mindestens vier schöne Abende, bei denen wir uns stets näher kommen. Seelisch näher kommen. Und nicht nur humorvoll plaudern. Sondern uns viel von dem erzählen, was uns wichtig ist und was unser Leben ausmacht. Wenn das dann nur Probleme sind die er zu erzählen hat, dann ist klar, was das bedeutet: Ich suche jemanden, den ich zutexten kann. Weil ich sonst niemanden habe.

Sie sehen: Ich bin für das, was Sie „verprellen“ nenne. Sie sagen also höflich: Wir zwei passen nicht zueinander. Ohne weitere Erklärung. Gefühle müssen nicht erklärt werden. Danach sollten Sie keinen Kontakt mehr mit ihm haben – das heißt, auch seine Nummer blockieren und löschen. Und dann suchen Sie gezielt nach jemandem, der wirklich zu Ihnen passt.

 

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2 Kommentare

  1. Vivi

    Vielleicht haben Sie Recht, dass daraus keine glückliche Beziehung werden kann. Aber manchmal frage ich mich auch, ob Sie zu hart sind, und zu sehr davon ausgehen, dass JEDER, einen sehr sozial kompetenten, selbstreflektierten Partner mit besten Umgangsformen haben müsste. Es gibt so viele Menschen, bei denen diese Fähigkeiten nicht so ausgeprägt sind. Sollen die alle Singles bleiben? Dazu lernen kann man oft nur, wenn jemand anderes ein Feedback gibt!
    Hat dieser Mann es nicht verdient, dass sie ihm erstmal entschieden sagt:“Hör mal, du redest nur noch von Problemen, das nervt und belastet mich!“ und ihm die Chance gibt, das zu ändern?

    • Christian Thiel

      Gute Frage. Es ist nur so: Es geht hier nicht einfach nur um einen sozial inkompetenten Mann. Es geht auch darum, dass er nicht für eine feste Beziehung zu haben ist – nach meiner Erfahrung.
      Er braucht ganz offensichtlich jemanden, der ihm hilft, sein Leben zu ordnen. Und dazu sucht er eine gutmütige Frau (die in der Partnerschaft dann zu kurz kommen wird).
      Nein, ich kann das nicht empfehlen. Ich habe schon hunderte von Frauen in der Beratung gehabt, die es später zutiefst bereut haben, sich auf so ein ‚Beziehungsangebot‘ eingelassen zu haben.
      Auch Frauen die schon bei den ersten Dates nur von Problemen erzählen kommen für eine stabile und glückliche Beziehung nach meiner Erfahrung nicht in Frage.
      Sie müssen erst ihr Leben ordnen. Und sie müssen lernen, dass es in der Liebe darum geht, für jemand anderen dazusein und sich für ihn zu interessieren. Dann können auch sie eine gute Beziehung führen.
      Meine Klientinnen aber müssen lernen, dass es nicht funktioniert sich auf eine Beziehung einzulassen, in der der Mann die Frau ganz dringend braucht. Das geht zu Anfang oft noch gut – aber da sie mit ihren Wünschen und Bedürfnissen stets und immer zu kurz kommt erodieren mit der Zeit die Gefühle füreinander (und mit ihnen erodiert die Sexualität). Keine gute Aussicht, finde ich.

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