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Was Sie erleben ist Gewalt – verbale Gewalt

Wir sind 30 Jahre verheiratet. Mein Mann ist hochgradig Choleriker. Leider wird es mit zunehmendem Alter immer schlimmer. Er schreit, tobt, vor allem wenn er nicht im Recht ist. Er beleidigt mich mit den derbste Ausdrücken. Ich habe alles ausprobiert (ruhig sein, laut sein, raus gehen). Wir sind berufsbedingt den ganzen Tag zusammen. Ich weiß mir keinen Rat mehr und zittere. Es gibt kaum liebe Worte und wenig Sex.

 

Ihr Mann hat Wut-Anfälle. In der Fachsprache nennt man das auch Affekte. Er terrorisiert damit sein persönliches Umfeld, möglicherweise aber auch nur Sie. Zudem ist er nicht etwa reuig, wie andere Choleriker, die sich entschuldigen wenn die Wut verraucht ist. Er ist vielmehr der Meinung, dass es ihm zusteht, seine Umwelt mit Wutanfällen zu terrorisieren. Aus so einem Verhalten eines Partners oder einer Partnerin ergibt sich immer und mit zwingender Logik – eine unglückliche Partnerschaft.

Wutanfälle ruinieren liebende Gefühle wie auch den Respekt vor dem Anderen und machen Zärtlichkeiten sowie die Sexualität zumindest schwer, manchmal, wie bei Ihnen, auch nahezu unmöglich. Solche heftigen Affekte sind auch nicht etwa harmlos, sondern eine Form der Gewalt – verbale Gewalt.

Zu einem Menschen der Wutanfälle hat, gehört oft ein Partner, der eine hohe Bereitschaft hat, Wutanfälle hinzunehmen und sie zu ertragen. Der Wütende sucht sich also gerne eine Gütmütige – und die Wütende sucht sich gerne einen Gütmütigen. Beide spüren sehr genau, dass der andere bei ihnen bleibt – und nicht einfach auf dem Absatz kehrt macht und geht. Oder ihm sagt: “Pass auf, das machst du mit mir einmal – beim zweiten Mal packe ich meine Sachen und gehe.“

 

Verbale Gewalt ist nicht harmlos – Sie müssen und Sie sollten sie nicht akzeptieren

 

Sie akzeptieren diese Wutanfälle Ihres Partners jetzt – zähneknirschend – seit 30 Jahren. Wer Tag für Tag den Wutanfällen eines nahestehenden Menschen ausgesetzt ist, der reagiert darauf zum einen mit seelischem Rückzug. Er hat somit einen Partner, der keinen Halt bietet. Das ist schon schmerzhaft genug. Zudem reagiert aber auch das menschliche Immunsystem auf diesen Dauerstress.

Häufig kommt es beim Zusammenleben mit Partnern die Wutanfälle haben zu gesundheitlichen Problemen – was nicht verwundert. Steht der eigene Körper unentwegt unter der Anspannung eines drohenden nächsten Wutanfalls des Partners oder unter der Anspannung eines gerade erfolgten Wutanfalls, dann funktioniert er eben nur im Notfallmodus.

Es ist an der Zeit, dass Sie die Notbremse ziehen und genau den Satz sagen: „Das machst du mit mir nicht noch einmal. Ich packe meinen Sachen und gehe.“ Sie können sich krankschreiben lassen, vorübergehend zu einer Freundin oder in ein Hotel ziehen. Wichtig ist nur, dass Ihrem Mann klar wird, dass Sie es ernst meinen. Sonst macht er immer so weiter.

Natürlich können Sie auch eine Beratung aufsuchen oder eine Beratungsstelle und dort Hilfe und Rückhalt suchen. Dazu muss Ihr Mann nicht zwingend mitkommen. Gehen Sie es bitte an. Verbale Gewalt ist nicht harmlos. Sie müssen und Sie sollten sie nicht akzeptieren.

 

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4 Kommentare

  1. Liana Hedrich

    … ich habe soeben den Artikel gelesen und es tut mir weh … deshalb schreibe ich heute auch mal ein paar Zeilen … mein Ehemann hat mich über Jahre auch seelisch klein gemacht und es hat Jahre gedauert bis ich dies erkannt und gehandelt habe … aber was ihr Mann mit ihnen macht … unfassbar … bitte, bitte finden sie ganz schnell einen Weg und gehen von ihm weg – suchen sie sich Hilfe und Unterstützung, eine neue Arbeit, ein neues Umfeld – es ist doch ihr Leben, sie sollen glücklich, zufrieden und gesund bleiben! Sie müssen auf sich aufpassen!

  2. Hilde

    Dass Sie das jetzt 30 Jahre ausgehalten haben ist ja kaum vorstellbar!!!
    Sie müssen unbedingt weg von ihm und Ihr eigenes Leben leben!
    Ich hatte mal früher mit meinem Mann Streit und er hat mich so angesehen als wollte er mir eine scheuern, ich hatte nur zu ihm gesagt: trau dich und damit war das Problem gelöst! Ich hätte ihn sonst angezeigt!!!

  3. Stephan

    Klingt einfach, so lange keine gemeinsamen Kinder im Spiel sind

  4. Gudrun

    Stephan, die Kinder in diesem Beispiel werden schon erwachsen sein.

    Aber in anderen Fällen: wer schützt denn die Kinder vor dieser Aggression? Kinder sind aus meiner Sicht ein zusätzlicher Grund wegzugehen. Zitat aus dem Text : „verbale Gewalt ist nicht harmlos“ Die Kinder haben ja selber keine Chance, sich dem zu entziehen, also hat eine Mutter auch da eine große Verantwortung. Nebenbei bemerkt ist es schön, wenn die Mutter ihre Kraft nicht von einem gewaltsamen Partner genommen bekommt, sondern ihre Kräfte sinnvoller einsetzen kann. Klassischerweise , vielleicht auch unbewusst, werden die Interessen der Eltern – auch eines aggressiven Elternteils – immer noch stärker geschützt, als das Interesse der Kinder, gewaltfrei aufzuwachsen.

    Außerdem können sich die Kinder von den Eltern, die aggressive Beziehungen führen, auch noch diese unvorteilhafte Art abgucken. Oder bekommen eigenartige Vorstellungen von der Liebe. Beides nicht optimal für ihre späteren eigenen Beziehungen. Sie haben ja oft keinen anderen Anschauungsunterricht, nur die Eltern.

    Wie oben geschrieben, gibt es Hilfsangebote. Je komplexer die Lage, umso mehr kann man Unterstützung suchen.

    Danke, Herr Thiel, für die Texte.
    Ich hoffe, meine Ergänzung zu Stephans Anmerkung war nicht ganz daneben.

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