Von Berit Brockhausen: Wenn zwei Menschen länger zusammen sind, verändert sich nach und nach einiges, sowohl an ihrem Umgang miteinander, als auch an ihrer Lebensgestaltung, sowie an den täglichen Herausforderungen. Und da soll ausgerechnet die Sexualität immer gleich bleiben? Wie soll das gehen?

Eine empirische Studie an drei Generationen hat gezeigt, dass Paare, die länger zusammen sind, meist seltener miteinander schlafen als zu Beginn der Beziehung. Und diese Entwicklung ist übrigens unabhängig vom Alter der Betroffenen. Ein frischverliebtes Paar um die 60 hat mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Sex als zwei 30-Jährige, die bereits seit sechs Jahren zusammen sind.

Nichtsdestotrotz finden die meisten sexuellen Begegnungen hierzulande in Beziehungen statt. Wir Sexualtherapeuten und -therapeutinnen sehen natürlich nur die Paare, die unzufrieden sind. Doch das ist bloß ein kleiner Teil. So müssen wir davon ausgehen, dass es viele Paare gibt, die gar nicht darunter leiden, dass sie seltener Sex miteinander haben als früher.

Ein wichtiger Grund dafür mag sein, dass zwei Menschen, die sich lieben und die einander vertrauen, den gemeinsamen Sex möglicherweise nur einmal im Monat, dafür aber besonders schön zelebrieren, und dies für beide so befriedigend ist, dass sie sich den Stress von mehr Begegnungen unter unpassenderen Bedingungen gar nicht antun müssen. Andere Paare nutzen den Urlaub für Erotik und Sex, und zehren im Alltag davon. Wieder andere empfinden Verbundenheit und Intimität, die aus gemeinsamen Erfahrungen wächst.

Wenig Sex ist kein Schicksal

Kurz: Ja, im statistischen Durchschnitt nimmt die Zahl der Sexualkontakte in einer Beziehung ab. Nein, das muss für die beiden Beteiligten kein Problem sein. Und noch einmal: Nein, das ist kein Schicksal. Es ist vielmehr die Herausforderung, von einem verliebten Opfer eines Hormonrauschs zu einem selbstbewussten sexuellen Wesen zu werden.

Ob wir Sex haben, wann wir Sex haben und wie wir Sex haben – in einer Beziehung können wir uns in jedem Moment dafür und dagegen entscheiden. Wir entscheiden auch, wie wir unsere Lust und Wünsche zeigen. Und wie wir uns verhalten, wenn der andere andere Bedürfnisse hat.

Das ist eine großartige Chance, richtig schönen Sex zu haben, der perfekt zur Stimmung und zur Situation passt. Und es ist auch beängstigend. Denn anstatt drauf zu warten, bis uns die Lust spontan und gleichzeitig und genau dann überfällt, wenn die Kinder schlafen und wir frei haben, geht es darum, einfach anzufangen.

Beziehungssex ist nur für Erwachsene. Das sind Leute, die sich entscheiden, bewusst die Lust einzuladen, und zu genießen, was dann geschieht: ein spontaner Quickie, gemütliches Petting, erotische Experimente, liebevolles Kuscheln oder einfach nur ein gemeinsamer Mittagsschlaf.

Den ganzen Beitrag Beziehungssexualität – nur für Erwachsene!

mit Berit Brockhausen gibt es vom 2. November (19 Uhr) – 3. November (19 Uhr) im Rahmen eines Onlinkongresses zur Sexualität hier zu sehen.

 

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